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Kanzelschreiber

Kein Klopapier

Wenn Sicherheit mit Klopapiervorrat definiert wird

Du siehst sie sofort, die Regale mit Klopapier, weil sie ohne Klopapier sind, gähnend leer. Alles andere ist da, nur Klopapier aus. Klopapierhamstern! Aber warum? Dieses Virus mit "C" macht auf Lunge und nicht auf Verdauung. Also wird der Klopapierbedarf selbst bei flächendeckender Infektion nicht steigen. Aber so kommt es, wenn mal zufällig Klopapier aus ist, sofort entsteht Panik und jegliche Solidarität geht das Klo runter. Maß- und ziellos werden die Rollen gehortet, dass man ja genug hat. Was ist  genug? Gute Frage. Bei Geld scheint es zum Beispiel kein Genug zu geben. Vermutlich gilt das für alles. Dabei kämen wir viel weiter, wenn wir uns sozial verhielten, also auch auf unsere Mitmenschen achteten. Soll ein Mitmensch auf dich achten, auf den du nie geachtet hast? Da muss es schon ein sehr guter, ein sehr sozialer sein, einer, der in seiner Entwicklung weiter ist als du. Würde also jeder nur so viel Klopapier kaufen wie er braucht, gäbe es keine Knappheit. Das Klopapier also ein Gradmesser für unser soziales Entwicklungsdefizit. Pech gehabt, wir sind noch nicht über das Stadium hinweg, in dem es überlebenswichtig war, der Knappheit zu entkommen. 

Natürlich geht die Krise vorbei. Dann stehen die Klopapierhamster vor ihren Klopapierbergen und man wird in den Geschäften fragen müssen, ob das wieder vorhandene Klopapier nicht abgelaufen ist. Wenn die Medien sich sattgekriselt haben, dann verliert das Virus rasant an Gefährlichkeit, vermutlich schneller als die ganzen Pandemiker glauben. Wobei man auch nicht verkennen darf, dass es Menschen gibt, die in solchen Krisen förmlich aufblühen, die sich in Krisenzeiten richtig verwirklichen können, die werden halt dann wieder weniger wichtig sein müssen. Aber mal ehrlich, man kann den Krisenmanagern zuliebe eine Krise nicht aufrechterhalten. Jede Krise hat ein Verfallsdatum, meistens bestimmen es die Medien. Ist das Medieninteresse weg, flaut die Krise ab und verschwindet. Aus der Pandemie wird eine Grippe und aus der Massenhysterie Normalität. Das war noch nie anders. Und als Rechtfertigung wird man sagen, dass es nur so wenig Tote gab, weil man extrem gut vorbereitet war und perfektes Krisenmanagement Schlimmes verhindert hat. Und wer will das Gegenteil beweisen?

Das "C" Virus hat scheinbar alle übrigen Brennpunkte auf der Welt gelöscht. Die brennenden Amazonaswälder, den Krieg in Syrien, die Klimaerwärmung, die Potentaten in Amerika, Russland und der Türkei. Alles nicht mehr Thema. Es wird wohl eine Weile dauern, bis man diese Themen wieder auf Betriebstemperatur bringt, bis sie wieder ordentlich verkauft werden können. Dann können wir endlich wieder mit der beruhigenden Spätnachricht zu Bett gehen, dass in Kabul die Ausgangssperre weitgehende eingehalten wurde. Mich wundert's dann immer, wie ernst die Nachrichtensprecher bei so einer nutzlosen Nachricht in die Kamera schauen können und schalte aus.

 

Bist du wer?

Definition der Wichtigkeit

Wenn du schon mal im Fernsehen warst, ja dann bist du wer. Also nicht als einer unter Tausenden im Stadion oder auf der Tribüne einer Quatschshow, sondern als ein Protagonist. Im Fernsehen, das ist ganz wichtig. Aber wenn dich dann doch keiner kennt, also auf der Straße? Dann war's wohl der verkehrte Sender. "Bekannt aus Rundfunk und Fernsehen" stand früher bei erfolgheischenden Bands auf den Plakaten. Bei näherem Hinsehen war es meist das Lokalradio. Wenn jemand im Kino den Abspann ganz gespannt liest, dann ist der nicht verrückt, sondern hat beim Film gearbeitet. Jeder, der beim Film war ist überzeugt, dass jeder Filmschauer gebannt auf den Abspann wartet, dabei machen sich die Normalkinobesucher beim Abspann auf den Heimweg. Der Abspann ist nicht mehr spannend. Du suchst ja auch nicht den Namen der Druckerei im Impressum eines guten Buches, es sei denn, du willst eines verlegen. Das sind alles Wichtigkeiten, die eigentlich die Vorsilbe "Un" haben. Jeder hält sich für wichtig. Das ist auch gut, aber man soll diese Wichtigkeit nicht von der Wahrnehmung anderer abhängig machen.

Die Zahl der Filmproduktionen ist explodiert und auch die Zahl der Bücher. Du kannst nicht alle Filme anschauen und nicht alle Bücher lesen. Immerhin kommen ja die Bücher auf den großen Stapel der bislang nicht gelesenen drauf. Und die Filme müssen mit den bislang nicht gesehenen konkurrieren. Wo soll man denn da die Zeit her nehmen?  Und dann will man auch selber noch etwas schreiben. Selbst wenn du schreibst wie ein Literaturnobelpreisträger, muss sich dein Text erst mal den Weg an die Wahrnehmungsoberfläche erkämpfen. Und diese Oberfläche ist tatsächlich recht oberflächlich.

Ist ja schön, dass sich so viele Menschen heute Zeit für aktive Kunst nehmen. Das hat was Therapierendes. Wenn man sich ständig mit sich selbst beschäftigt und das eigene Wunschich in den sozialen Medien propagiert, dann ist bildende Kunst endlich mal etwas außerhalb des aufmerksamkeitlechzenden Ichs. Das Ich darf dann endlich mal Pause machen, weil es bei Kunst um das Es geht. Es braucht meine volle Aufmerksamkeit. Gut, wenn das naheliegende Smartphone den Eingang eines bestimmt sehr wichtigen Posts ankündigt, geht's schwupp in den Egomodus zurück und in die Daueroptimierung der eigenen Fassade.

Es hat was von "Leben im Schaufenster", dieses sich ständig zur Schau tragen. Monatelang die Fotos vom letzten Urlaub posten, ständig das Profilbild ändern. Ich bin ein Star. Jeder ist ein Star, die Welt besteht aus lauter Sternen. Die normalen Menschen sind ausgestorben. Also die, die noch nie im Fernsehen waren und die das sogar gut finden, die haben es deutlich leichter. Denn es ist leichter, dem Bild eines Durchschnittsmenschen gerecht zu werden, als einem überzogenen Wunschbild. Du kannst ein Leben lang vergeblich der Traumfigur entgegenhungern oder erkennen, dass dein Körper gerne Reserven einlagert und deine Mahlzeiten genießen. Es steht dir frei. Du kannst du sein oder deiner maximaloptimierten Onlineversion hinterherfrusten. Das ist der Unterschied. Ist's wichtiger, dass es mir gut geht oder ich den anderen die Fiktion vermittle, dass es mir außerordentlich gut geht und das Bild poste, wo ich mit Sonnenbrille im Cabrio den Wind durchs Haar pfeifen lasse und nicht den Schnappschuss meiner Frau mit dem sorgenvollen Blick, wenn die Leasingrate das Konto überstrapaziert.
Der Mensch ist so frei, wie er es sich gestattet.

Wie schlecht ist der Mensch

Schlüsse aus den rassistischen Morden

Wenn die Posts in Facebook ein Querschnitt der Menschheit abbilden, dann kommt man nicht um den Schluss herum, dass die Mehrheit unserer Rasse  von Neid geplagt, wenn nicht gar getrieben ist. "Die Oma hat ein Leben lang geschuftet und muss mit soundsowenig Rente auskommen, während ein Asylbewerber (die Ausdrucksweise variiert) soundsoviel bekommt." Wie viel Geld würde die lebenslang schuftende Oma bekommen, wenn der Asylbewerber nicht das wäre? Richtig! Genausoviel. Die Rente der Oma berechnet sich aus den Beitragsjahren und den geleisteten Beiträgen und ist nicht von anwesenden Asylbewerbern abhängig. Der vielzitierte Asylbewerber schmäler also Omas Rente nicht. Aber man kann so schön mit ihm hetzen.

Wenn die Rente der Oma wirklich unterhalb der Armutsgrenze liegt, genügt ein Gang zur Gemeinde. Da kann sogar der Hetzer hin gehen, dessen Oma es ja sein muss, sonst wüsste er ja die Rentenhöhe gar nicht. Es sei denn, die Oma und ihre Rente sind erfunden. Das wollen wir ihm aber jetzt wirklich nicht unterstellen. 

Natürlich ist Jedermann und Jedefrau entsetzt über die rassistischen Bluttaten. Menschen kaltblütig zu ermorden, das passt hier nicht her, schon fünfundsiebzig Jahre nicht mehr. Vorher ging das und sorgte für wenig Empörung. Aber Gott sei Dank sind diese Zeiten vergangen. Aber an dieses "Gott sei Dank" erinnert man sich häufig nicht, wenn die frisch erbraunte Suppe sich gegen alles stellt, was nicht arisch ausschaut. Arisch sagen sie natürlich nicht. "Man muss ein Zeichen setzen!" Ist Mord auch ein Zeichen? Natürlich! Versucht man den Grund der braunen Suppe zu ergründen, dann wird Mord verurteilt, aber das Zeichen begrüßt. 

Man muss etwas unternehmen. Deutschland nicht den Menschen sondern den Ariern (was man natürlich nicht ausspricht). Geburt kann ganz schön gemein sein. Deutschland ist ein absoluter Treffer, Somalia nicht so. Die Hautfarbe macht auch viel Unterschied und dann die Religion. Welche Religion hatten die Rassisten? Durchaus möglich, das es sich da sogar um Geschwister im Glauben handelt. Aber wie verquert läuft eine Denkweise, die Ausländer für das eigene Versagen verantwortlich macht? Man darf nicht vergessen, dass wir sie einst händeringend und in Massen nach Deutschland geholt haben, aus Italien, aus Griechenland, aus der Türkei, weil wir eben gerade mal Wirtschaftswunder hatten und das selber nicht mehr schafften.

Jetzt haben wir wieder so was wie ein Wirtschaftswunder. Es fühlt sich halt nicht so an, weil der Sozi Schröder mit seiner Agenda 2010 kräftig auf die Seite des Kapitalismus schwenkte, der seither wie ein Krebsgeschwür ganz Europa auffrisst, alles in sich hineinwuchert und nicht begreift, dass er an seinem eigenen Tod arbeitet. Dir Wirtschaft brummt, es gibt keine Arbeitskräfte und die Neuversklavten machen sich maximalschuftend Rentensorgen. Da hätte man schon länger die Stirn in Falten legen müssen, wenn man in diesem Land Regierung ist. Aber die machen sich höchsten Sorgen, wie sie ihre Partei weiterhin am Spendentropf der Konzerne halten ohne die Wähler zu verlieren. 

Leute, das geht halt nicht, also nicht in einer Demokratie. Die Wähler werden unruhig. Sie fallen auf alle möglichen Parolen herein. Die Sündenböcke anderer Herkunft, die Lügen von steigender Kriminalität, das Schlechtreden und Volksverführen. Der Nullachtfufzehnwähler wählt Protest. Am besten etwas völlig Abartiges, etwas, das den größten Wechsel verspricht. Dass so richtig weh tut, damit die da das spüren. Und die Nullachtfufzehnwähler sind nicht so wenige, wie man hoffen möchte. Das ist die Stunde der AfD und anderer Demokratieverächter, die fanatisch einem Vergangenheitsbild nachhängen und jegliche Radikalität empört von sich weisen, weil es ja um das Land geht, das in Gefahr schwebt. Aber die Gefahr sind sie.

Wie will man mit den Verblendungen und Pseudogefahren der AfD einen demokratischen Sozialstaat aufrecht erhalten? Zwangsläufig würde das in einen Polizeistaat münden, denn alles, was nicht in die Verquerungen dieses völkischen Gärbottichs passt, müsste zwangläufig bekehrt oder zumindest ruhiggestellt werden. Ende der Pressefreiheit. Ende der Meinungsfreiheit. Ende der Freiheit. Oh doch, Geschichte wiederholt sich, vielleicht nicht ganz gleich, aber vergleichbar. Darum: Wenn eine Partei nicht jeden Artikel des Grundgesetzes bedingungslos respektiert und dafür eintritt, hat sie nicht das Recht eine deutsche Partei zu sein und es ist die Pflicht aller demokratischen Kräfte, das durchzusetzen. 

Nun ist es aber akkurat der vom Grundgesetz geschützte Bürger, der diese Partei wählt, die in Wort und Tat gegen das Grundgesetzt verstößt. Da kann ich den Bürger und die Bürgerin auch nicht in Schutz nehmen und muss ihnen ins Gesicht sagen: Es ist jedes Bürgers persönliche Entscheidung, wenn er solchen Parteien seine Stimme gibt. Soll keiner sagen, er oder sie hätte das nicht gewusst, denn man kann heute so ziemlich alles wissen, wenn man sich darum bemüht. Darum und um eine eigene Meinung. Jeder Schwammerlsucher kennt die Giftpilze (zumindest sollte er das) und lässt sie stehen. Jeder Wähler sollte die Volksverhetzer kennen und sie stehen lassen und zwar im Regen.

 

Altes muss gehen

Die Sinnlosigkeit des Festhaltens

Egal ob alte Begriffe, Volkstänze, Feldkreuze, Burgruinen, sie haben tragen das Stigma des Vergangenen. Man braucht sie nicht mehr. Vergehen schmerzt, denn es ist ein Abschied. Je älter man wird, umso mehr noch selbstgebrauchte Dinge gehen ins Vergessen. Jeder weiß, was sperrangelweit offen bedeutet, nur wenige, was eine Sperrangel ist. Die Sperrangel hat es damit geschafft, als Wort zu überleben, ohne ein vorstellbares Ding zu bleiben.

Als die Maschinen Landwirtschaft technisierten, wurden Holzgabeln und -rechen an die Wände genagelt, als unbrauchbare Zierde. Das wird mit den Mähbalken schon schwieriger, aber auch sie verschwanden. Wer verrichtet an einem Feldkreuz noch ein Gebet? Es steht halt da, erinnert manchmal an Menschen, an die sich niemand sonst erinnert. Auf dem Weg zu Friedhof erinnert ein Kreuz an meinen Ururgroßvater. Er verstarb dort. Kein Gesicht, kein Hinweis wer er war, wie er war. Keine fühlbare Verbindung zur Gegenwart. Und doch wird es in Stand gehalten, wie viele andere Kreuze. Traditionserhalt. Welche Tradition? Vielleicht hundert Jahre lang wurden diese Fabrikkreuze zur Erinnerung oder aus Gottesfurcht aufgestellt. Konnte ja nicht schaden.

Heute wird Energie für ihren Erhalte aufgewendet. Warum? Jeder Energieaufwand für Vergangenes ist eigentlich verschwendet. Es sei denn, die Zukunft kann davon lernen. Aber ein gusseisernes Feldkreuz im Nirgendwo. Was soll es uns sagen? "Sie glaubten einst, sich damit die Seligkeit zu erkaufen!" Wenig verwertbar. Ein historisches Gebäude ohne Nutzen für die Gegenwart und noch weniger für die Zukunft zu erhalten um Techniken zu konservieren, die weder jetzt noch in der Zukunft gebraucht werden hat nur dann einen Sinn, wenn man daraus irgend etwas Sinnvolles ableiten kann.

Was ist der Sinn der Denkmalpflege? Geht es um das Bewahren der Identität? Aber das wäre ein hoffnungsloses Unterfangen, denn nur Totes verharrt im Ewigen. Lebendiges wächst und verändert sich ständig. Die Kunst, einen Dachsparren mit dem Beil aus dem Stamm zu hacken ist Nostalgie. Man wird das nie wieder brauchen und hätten unsere Vorfahren Sägegatter gekannt, wären sie niemals auf diese umständliche Idee gekommen. Man kann aus dieser Technik heute keine brauchbaren Informationen ziehen. Das Spinnen am Spinnrad, das Pflügen mit dem Pferd, das Fällen eines Baumes mit der Langsäge, das kommt nicht wieder. Ebenso wie die vielen Volkstänze nur mehr Nostalgietraining sind. Sie haben ihren Zweck verloren.

Man lernt sich im Internet kennen, das braucht keine Tanzpartnerwechsel. Einen alten Baum mit viel Aufwand als Denkmal zu gestalten hilft dem Baum nicht und nicht der Gesellschaft. Alte Bäume wird es immer geben. Eisenbahndenkmäler zu errichten ist Nostalgie, hat aber keinen praktischen Nutzen, weil es weder den Zug zurückbringt, noch eine verwertbare Information vermittelt. "Hier war mal ein Bahnhof!" Und? 

Da müsste man ja alles Gewesene in irgend einer Form verdenkmälern. Das würde alle Schaffenskraft in Anspruch nehmen, so dass Zukunft nur mehr Erinnerungserhaltung wäre. Keine lohnenswerte Vorstellung. Was ist besser? Altes zu erhalten? Oder neues zu schaffen? Beides zu wollen ist keine realistische Option. Insofern ist es gut, dass diese Aufgaben in unserer Zeit aufgesplittet sind. Die Einen widmen sich dem Vergangenen, die anderen Blicken in die Zukunft. Während erstere gern der Wehmut anheimfallen, tragen letztere stets Hoffnung und Euphorie in sich. Und womit ist Zukunft besser zu bewältigen?

Borki im Blutrausch

Über die besten Käferbedingungen aller Zeiten

Leicht hast du es als Borkenkäfer nicht, besser gesagt hattest. Findest du eine Fichte und versuchst für deine Kinderstube einen Lebensraum zu schaffen, presst der Baum einen Tropfen Harz auf dich und dann war's dass. Du musst schon arg flink sein. Deshalb suchten wir uns am liebsten kranke und schwache Bäume, deren Lebenssaft versiegt war. Das half zwar dem Baum auch nicht mehr ins Leben zurück, aber so konnte er wenigstens noch weiteres Leben ermöglichen. Ganz nebenbei bereiteten wir damit den Grund für viele weitere Waldbewohner. Wenn ausreichend alte und kranke Bäume da waren, konnten wir unseren Fortbestand so einigermaßen sichern. Freilich gab es immer wieder Zeiten mit heftigen Stürmen oder längeren Trockenperioden, aber das Gegenteil traf ebenso ein und dann starben wieder Millionen Artgenossen und wir mussten sehen, wie es weiter geht. Es ging weiter und so gibt es uns heute noch.

Die Menschen hatten wir gar nicht im Visier, sie hatten keinerlei Bedeutung für uns, nicht mal als sie anfingen, Bäume zu schlagen. Die Menschen interessierten sich nur für gesunde Bäume. Lebewesen, die gesunde Bäume umbringen konnten keinen besonders langen Bestand haben. Die Natur braucht keine Spezies, die ihr schadet und wird sich ihrer über kurz oder lang entledigen. Dazu hat die Natur ein breite Spektrum an Möglichkeiten. Sehr gern bringt die Natur neue Krankheitserreger ins Spiel. Aber die Menschen erwiesen sich als sehr resistent und richteten immer mehr Schaden an. Zerstörten massenhaft intakte Ökosysteme und wühlten die Erde um, was immer sie dort suchten.

Ganz nebenbei stieg ihr Bedarf an Holz und sie machten sich über die riesigen Wälder her. Da schwante uns Böses. Als die Wälder dünn wurden begannen sie mit dem Pflanzen neuer Bäume. Warum sie dazu lauter gleiche Bäume und noch dazu welche aus anderen Klimazonen verwendeten, konnten wir nicht begreifen. Alles muss im Gleichgewicht bleiben, so war es immer schon. Wir wussten sehr gut, dass unsere Spezies nicht in der Lage ist, die Population zu begrenzen. Je mehr kranke Bäume es gibt, umso stärker vermehren wir uns, das hatten wir bei jedem größeren Sturm erlebt. Aber auf jeden Lebensrausch folgte mit tödlicher Sicherheit der Beinaheuntergang. Und nun machte sich der Mensch daran, massenhaft hochgefährdete Wälder zu pflanzen, eine Katastrophe. Sie wurde noch schlimmer, als der Mensch sich explosionsartig vermehrte und in der Lage war, das Klima zu verändern. Es wurde wärmer und die ungeeigneten Bäume wurden noch ungeeigneter und erkrankten der Reihe nach. Die Stürme wurden stark und stärker. Orkane fegten die sorgsam angelegten Fichtenwälder der Menschen zu Boden und bereiteten uns ein schlaraffenhaftes Festmahl

Wir wurden zahlreicher und zahlreicher, wir explodierten schier und fraßen was wir fressen konnten. Es schien nie zu enden. Waren wir mit einem Hügel fertig, krankte der nächste. Die Bäume konnten sich nicht mehr wehren, Trockenheit und Stürme hatten sie für uns zubereitet. Noch scheint der Zenit nicht erreicht und doch kommt er. Noch werden wir immer mehr und immer gefräßiger, aber das Ende der Menschenwälder ist zu sehen und dann? Ja dann kommt das größte Borkenkäfersterben an das man sich erinnern wird.Zu Milliarden werden wir elendig verhungern. Weil wir es nicht gelernt haben, uns zu mäßigen, weil das die Evolution vor dem Auftauchen des Menschen als unnötig erachtete. So werden die Fehler des Menschen unser Untergang. Und niemand wird uns als einstmals nützlich in Erinnerung behalten, sondern nur als grausame Plage, die dem Wald seinen Nutzen raubte. Nein, nicht seinen sondern ihren, der Menschen.

Über die Unzulänglichkeit

Warum wir unseren Unwillen mit Fingerzeigen rechtfertigen

Der Klimawandel. Die einen sagen dass er kommt, die anderen zeigen mit dem Finger auf alle, die nichts dagegen tun und leiten daraus ihr Handeln ab. Wie soll ich das Klima retten, wenn der Chinese? Durchaus nachvollziehbar und trotzdem mit Unbehagen besudelt, weil klammheimlich die Einsicht den Hinterkopf erobert, dass Klimawandel halt doch. Fakt: Jeder Tag mit ausredebehafteter Klimasünde macht Klimawandel realer. Orkanspitzen bis 150 hört sich solange irgendwie an, bis der Sturm das eigene Dach hebt. Immer waren Taifune und Hurrikane, aber fern, wie konnten sie uns finden? Wer hat unsere sichere Position verraten? Die Grünen? Natürlich! Vor den Grünen hatten wir keine Sabines. Seit sie das Klima schlechtreden, wird es schlecht. Die Grünen sind schuld! Diese verfluchten Umweltschützer haben das Klima aufgestachelt, dass es auch bei uns, in diesem sicheren Deutschland sein Unwesen treibt. Vor den Grünen waren unsere kraftstrotzenden Boliden unser Stolz und nun Umweltmonster. Nie wäre das Klima auf uns aufmerksam geworden. Aber diese Greta gab keine Ruhe. Fridays for Future! Diese ganze Hysterie musste dem Klima auffallen und es hat reagiert. Unglaublich. Die ganze Industrialisierung hat es über sich ergehen lassen, aber wenn eine Gruppe unerhörter Schulschwänzer aufbegehrt, reagiert es. Die vernünftige Ausbeutung der Erde wird demagogisiert. Katastrophenszenarium. Sogar die unverzichtbare Maßlosigkeit des Wachstums wird angezweifelt. Als wüssten diese Klimahysteriker überhaupt, was das bedeuten würde. Ohne Wachstum stagnieren die Aktienmärkte. Es gibt es keine Zinsen. Ohne Wachstum stirbt geht es dem Kapitalismus an den Kragen, denn Kapitalismus ohne Wachstum ist wie Auto ohne Sprit. Kapitalisten aller Welt schließt euch zusammen. Es muss irgendwie gelingen, den letzten Tropfen Öl aus der Wüste zu pressen und die letzten Gasvorkommen zu finden. Die Ausbeutung der Meere ist noch nicht abgeschlossen, da ist sicher noch was zu holen. Warum nur jedes Jahr ein neues Handy, das geht auch halbjährlich oder alle drei Monate. Der Gewinn muss her, der Profit muss wachsen, der Luxus muss steigen. Es ist doch ganz einfach. Wenn du 1000 Münzen hast und zehn Prozent Gewinn machst, dann hast du ein Jahr später 1100 Münzen und für die willst du natürlich wieder zehn Prozent, also müssen statt 100 jetzt 110 erwirtschaftet werden. Un im Jahr darauf müssen es 131 Münzen sein. Und nach zehn Jahren hast du 2.593,74 €. Natürlich kriegst du das auf der Bank nicht, aber die großen Spieler bekommen es und weil die so gierig sind, müssen wir die Erde weiterhin ausbeuten. Alternativlos, würde eine bekannte Politikerin die Situation nennen. Mal seh'n. Könnte ja sein, dass das Mitleid für die Superreichen einmal schwindet und die Freitagskinder das Sagen haben werden. Siehst du, im Jahr 2022 schalten wir das letzte Atomkraftwerk ab und ab diesem Zeitpunkt müssen wir den Freitagskindern erklären, warum sie für den Atommüll zuständig werden und haarklein erklären, wie man den Müll einige Hunderttausendjahre sicher und finanziell tragbar lagern kann. Das wird vermutlich ein ekelhafter Tag. Mann muss ihnen halt erklären, dass die billigste Lösung für Probleme deren Verlagerung in die Zukunft ist. Und dass sie es ja mit ihren Problemen auch so machen können. Nur die letzten beißen die Hunde. Und Hunde können ja vorher aussterben.

Heute schon gedacht?

Über die Notwendigkeit des Weitgenugdenkens

Was denkst du über das Wahldebakel in Thüringen? "Geht mich nichts an!" Vielleicht, vielleicht auch nicht. Im Endeffekt geht dich so ziemlich alles was an. Denn wenn in Thüringen gerade die Demokratie mit dem Vorschlaghammer in die gewünschte Form geschlagen wird, dann hat das durchaus das Potential größerer Auswirkungen. 

Warum diese Thüringer entweder Linke oder AfD wählen und alles dazwischen irgend wie auch ein bisschen, das ist zum Beispiel so ein Phänomen von Denkverweigerung. Freilich war da Kommunismus und die Linke hieß mal SED aber das ist nun doch schon ein Weilchen her und wer sich immer noch über Überheblichkeit des Westens über den Osten aufregt, der oder die hat wohl ein bisschen übersehen, dass die Bundesregierung nach Berlin, damit in den "Osten" umgezogen ist und der "Osten" anteilsmäßig im Bundestag vertreten ist. Was also bitte sollte noch erfüllt werden. Kommunismus ohne Stasi mit täglichen Grillabenden und einem ausgeprägten Gemeinschaftssinn. Ja, man kann die Vergangenheit verklären, wenn man alles Negative weg lässt. Dass die Menschen sich der Öffentlichkeit durch gebannte Blicke auf das Handy entzieht, ist nun mal so. Die Welt zurückzudrehen ist keine verfügbare Option.

"Ach als da noch ..." ist keine Option, die man in sein Denken einbeziehen kann, weil abgelaufen. Zurück nach Erfurt. Da macht also die große CDU einen Grundsatzbeschluss, dass man mit der AfD nicht darf. Ja, warum einen Grundsatzbeschluss? Diese Frage zeigt aber schon, dass man in Schritten denken kann, also weiterdenken. Ist wie beim Schach, je mehr Züge zu vorausahnen kannst, um so besser bist du auf gegnerische Züge eingestellt. Das waren sie in Thüringen nicht. Der Grundsatzbeschluss der CDU wurde gefasst, weil die Gefahr in der Luft lag. Und wer sich auf so ein Spiel wie in Erfurt einlässt, der muss damit rechnen, dass ein weiterer Zug folgt. Wenn also die FDP einen Kandidaten auf verlorenem Posten aufstellt, dann signalisiert sie damit, dass sie diesen Kandidaten auch wählen wird. Bei der AfD wurde das ebenso erwartet. Aber dann wählt die AfD geschlossen den FDP Kandidaten und den eigenen nicht. Würdest du so einer Partei über den Weg trauen? Nicht mal tagsüber.

Der Passauer CSU-Kreisvorsitzende hat sich sogar zu einer Gratulation an den Eintagsministerpräsidenten hinreisen lassen. Ein Exterritorialer gratuliert parteiübergreifend. Spontan fragt man sich, was in dessen Gehirn wohl vorging? Er hat halt auch den Denkprozess frühzeitig abgeschlossen. Dabei wäre in diesem Fall Weiterdenken so einfach gewesen. 

Jetzt sind in Thüringen und in der Passauer CSU alle total überrascht und der Anfangsgratulant Christian Lindner ist zum Chefkündiger geworden und die AKK zögert maximalempört herum und die Kanzlerin hat das Fehlen des CSU-Vorsitzes vergessen und die AfD hat vergessen, dass sie sich eigentlich freuen wollte. Aber dann kamen die Umfragen und die sagten, dass hauptsächlich die Linken gewinnen würden. Vermutlich, weil die Befragten sich dachten: "Früher war doch auch alles besser." Stimmt, solche Querelen hast du mit einer kommunistischen Einheitspartei nicht. Man merkt also, wie wenig die Politiker ihr Volk kennen, da sind ihnen die Meinungsumfrager um Welten voraus.

 

Kapitalismusgefolgschaft

Warum das Kapital die Einkünfte senkt

Der Preis regelt sich durch Angebot und Nachfrage. Das ist so ziemlich die erste Gesetzmäßigkeit, die man beim Wirtschaftsstudium lernt. Ist das Angebot hoch, sinkt der Preis, ist es gering, steigt er. Wer diese Gesetzmäßigkeit gerade besonder deutlich zu spüren bekommt, das sind die Landwirte. Seit Jahrzehnten steigern sie die Produktion, optimieren den Anbau, züchten Kühe mit explodierenden Eutern, beuten die Felder aus, bis nichts mehr geht und wundern sich über immer noch sinkende Preise. Sie sollten in der Landwirtschaftsschule zunächst einmal lernen, wie die Marktpreisregelung funktioniert. Aber anstatt dieses Thema in den Landwirtschaftsunterricht aufzunehmen, fördert der Staat diesen Irrsinn und sorgt mit EU-Subventionen für das Überleben der Bauern. Wie krank ist denn dieses Spiel? Wenn sich Nichtlandwirte über niedrige Lebensmittelpreise freuen, dann sollten sie nicht vergessen, dass sie nicht wenig Steuern für die Subventionierung der Lebensmittel zahlen. Aber der Staat war folgsam, denn die Landwirtschaftsverbände haben maximale Lobbyarbeit geleistet, damit die Politiker ihre Vorstellungen umsetzen. Das will heute natürlich kein Verbandsfunktionär mehr wissen. Es ging ja auch alles ganz manierlich los. Zunächst die Molkereigenossenschaften und die Optimierung der Produktion. Kunstdünger und Unkrautvernichtungsmittel. Eine Spirale, die sich langsam emporschraubte und den Landwirt am Wirtschaftswunder teilhaben lassen sollte. Aber Tiere und Land sind keine unbegrenzt belastbaren Produktionsfaktoren und es lief aus dem Ruder. Nun fühlen sie sich an den Pranger gestellt. Mit Recht? Das ist eine gute Frage. Sie setzt voraus, dass Weiterdenken Platz im System hatte. Aber die meisten Landwirte vertrauten den Einschätzungen der Landwirtschaftsämter und die setzten die Vorgaben der Regierung um und die gehorchte den Bauernverbänden. Wo soll man also nun die Schuld für dieses Desaster festmachen? 

Ich glaube, dass die meisten Bürger dafür Verständnis hätten, dass die Landwirte einen Ausgleich bekommen, um aus dieser Spirale auszubrechen. Sie werden es aber nicht verstehen, wenn sie zum Beispiel für Humusaufbau per steuerfinanzierter EU-Hilfe herangezogen werden, wenn das Ausbeutungssystem auf diesem Niveau weiterlaufen soll oder sogar noch intensiver betrieben wird. Eigentlich sollte man das gar nicht regeln müssen. Eigentlich sollte jeder Landwirt erkennen, was naturverträglich und was tierverträglich ist. Eigentlich sollte man davon ausgehen können, dass der Landwirt es richtig macht. 

Das Phänomen der Ausbeutung ist aber nicht auf die Landwirtschaft begrenzt, es hat sich in weiten Bereichen der Wirtschaft eingenistet. Warum steigen die Löhne der Pflegeberufe nicht, wenn es doch einen eklatanten Personalmangel gibt? Warum sind Menschen bereit, für einen Hungerlohn zu arbeiten, wenn überall händeringend Arbeitskräfte gesucht werden. Das geht nur, weil sich die Anbieter von Arbeit einig sind, die Löhne unten zu halten. Sie sagen sich, dass sowieso zu wenig Arbeitskräfte da sind, daran würde auch ein Preiskampf nichts ändern. Also tun sie alles Mögliche, aber die Löhne halten sie unten.

Es braucht also dringend eine Renaissance der Gewerkschaften und zwar in allen Bereichen. Die sozialen Berufe dürfen da nicht vergessen werden, auch wenn der Staat hier vieles zahlen muss. Gerechte Löhne sind das Rückgrat einer funktionierenden Gesellschaft. Wenn heute ganze Supermarktketten mit Geringverdienern betrieben werden, dann müssen spätere Generationen für die Rentenaufstockung bezahlen. Ist das richtig? Wir machen es ja mit dem Atommüll schon so. Was werden unser Nachfahren in tausenden Jahren angesichts der atomaren Hinterlassenschaften von uns halten? Niedriglöhne sind Unsinn. Sie nützen höchstens dem Kapital, weil kurzfristig höhere Gewinne erzielt werden. Was kurzfristiges Denken anrichtet, zeigen viele Brennpunkte in der Welt. Einen Trost gibt es: Die Globalisierung hat längst die letzten Enden der Erde erreicht und überall verbrannte Erde zurückgelassen. Das vielzitierte Ohnmacht vor der Globalisierung hat sich als Weltenlüge erwiesen. Klimawandel, Umweltverschmutzung, das alles hätte es nicht gebraucht. Aber der Kapitalismus ist wie ein Extremalkoholiker. Solange noch Schnaps in der Flasche ist, wird weitergesoffen.

Klimahysterie

Ein Bericht aus dem Jahre 2050

Traditionsgemäß trafen sich Mitte Januar die Mitglieder des Bayerischen Hügelvereins mit den Mitgliedern des ABCD zur Autobahnpflege zwischen den ehemaligen Anschlussstellen Aicha v. Wald und Passau. Seit die Autobahn nicht mehr benutzt wird besteht die Gefahr der Renaturierung. Der ABCD fordert seit Jahren staatliche Hilfe zum Erhalt der Autobahnen, die vor zwanzig Jahren zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Durch die Umwidmung der Autobahnen zu Kulturgütern ist die Zuständigkeit vom Verkehrsministerium zum Kulturministerium gewandert und von diesem würden die Autobahnen komplett vernachlässigt, kritisierte der ABCD-Vorsitzende Andreas Asphaltinger während der gemeinsamen Brotzeit auf den Leitplanken. Der Vorsitzende des Hügelvereins Otto Schachtenpfleger regte an, für die nächste Pflegemaßnahme isolierte Leitplankensitzpolster zu besorgen, da man bei Temperaturen ab 40° C kaum mehr darauf sitzen könne. Außerdem forderte er den Schutz des Leberkas als bayerisches Kulturerbe. Wie berichtet wurde die Produktion von Leberkas verboten, nachdem festgestellt wurde, dass neben Schlachtabfällen immer häufiger Biomüll in der bayersichen Leibspeise endete, seit die Produktion nach Nordchina verlagert wurde. So musste die traditionelle Leberkasbrotzeit zum Abschluss der Autobahnpflege auf vegetarische T-Bone-Steaks umgestellt werden; für Traditionsbewahrer eine Zumutung. Die Steaks werden von der vegetarischen Biometzgerei Salatinger mit dem 3D-Drucker hergestellt. Die Druckpatronen kommen aus kontrolliertem Anbau in Usbekistan. Aufgrund einer Sondergenehmigung des Kultursministeriums konnte heuer traditionsgemäß die Reise zur Autobahnpflege wieder mit Autos aus den 20er Jahren durchgeführt werden. Wie jedes Jahr wurden die Fahrzeuge von den Vereinsmitglieder gezogen und nur die Vorsitzenden konnten am Steuer das Fahrerlebnis vor dem Klimasprung erahnen. Eine Zeit, in der man Rücksichtslosigkeit mit Freiheit verwechselte. Schachtenpfleger kritisierte den zunehmenden Verfall der Werte, so bekenne sich ein immer kleinerer Teil der Jugendlichen zur Tradition der Autobahnpflege und der traditionellen Anfahrt mit den alten SUVs. Erneut waren vier Hügelvereinsmitglieder mit E-Rollatoren in der Zugmannschaft.

Der ehemalige Vorsitzende des ehemaligen Naturschutzvereins kritisierte den Hügelverein für sein - nach seiner Meinung - unbeirrtes Festhalten an einer Zeit, die durch rücksichtsloses Verhalten wesentlich zum Klimasprung und zum Verlust fast sämtlichen pflanzlichen Lebens bis an den Polarkreis beigetragen habe. Dass wir heute Gemüse aus Grönland essen und das Trinkwasser per Tankschiff von der Antarktis geholt werden müsse, sei absolut vermeidbar gewesen. Früher war Wasser ein freies Gut, heute muss man es sich leisten können. Geschweige denn die Energie zum ganzjährigen Betrieb der Klimaanlagen.

Die meisten Erdbewohner seien sowieso schon in die Polregionen umgezogen. Afrika seit 2040 ein Wüstenkontinent. Auch der letzte Dezember war mit einer Durchschnittstemperatur von 27° C deutlich zu warm. Klimaforscher gehen jedoch nicht von einer weiteren Erderwärmung aus, weil seit 2038 keine weiteren Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Mit einer fühlbaren Abkühlung sei jedoch nicht vor 2070 zu rechnen. Bis dahin könnte die Menschheit laut wissenschaftlichen Berechnungen wieder auf 600 Millionen anwachsen. Große Hoffnungen werden dabei auf den in den ersten zwei Jahrzehnten im Pazifik entstandenen Plastikmüllkontinent gesetzt, wenn es gelingt, ihn weiter zu verfestigen und zum Südpol zu manövrieren. Denn dadurch könnten dringend benötigte Anbauflächen geschaffen werden. Sorgen bereiten allerdings die maroden atomaren Endlager am Südpol, die in das Meer abzugleiten drohen und damit die gesamte Lebensmittelproduktion auf dem Meeresboden gefährden könnten. Im Extremfall müssten die erlaubten Grenzwerte drastisch erhöht werden. Eine vorübergehende Notmaßnahme, wie Gesundheitsministerin Pilz mit gewohnt strahlendem Lächeln verkündete.